Studie: Gesunder Lebensstil verlängert Leben um 14 Jahre

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  • Zuletzt aktualisiert: Samstag, 28. Juli 2012 15:47
  • Veröffentlicht: Donnerstag, 11. Dezember 2008 13:04
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Nicht rauchen, viel Bewegung, moderater Alkoholkonsum und fünf Portionen Ost oder Gemüse am Tag kennzeichneten in einer Studie in PLoS Medicine (2008; 5: e12) einen Rückgang des Sterbensalters. Die Untersuchung von Kay-Tee Khaw und Mitarbeitern der Universität Cambridge ist Teil der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition, besser bekannt unter dem Akronym EPIC, an der in zehn europäischen Ländern mehr als eine halbe Million Menschen nach ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten befragt wurde.

Eine der beteiligten Gruppen besteht aus 25.639 Männern und Frauen im Alter von 45 bis 79 Jahren aus der englischen Grafschaft Norfolk, einer „sozial gut durchmischten Region“ im Osten von Südengland, wie Khaw berichtet. Die Teilnehmer füllten zwischen 1993 und 1997 einen Fragebogen aus, in denen sie angaben, ob sie rauchten (1 Punkt für Nichtraucher), körperlich aktiv waren (1 Punkt für nicht sitzende Tätigkeiten oder Freizeitsport), wie viel Alkohol sie trinken (1 Punkt für 1 bis 14 Einheiten Alkohol; eine Einheit ist ein großes Bier oder ein Glas Wein) und ob sie regelmäßig Obst und Gemüse verzehrten (1 Punkt für eine Vitamin C Spiegel von 50 nmol/l oder mehr). 

Alle diese Einzelpunkte hatten sich in früheren Studien als lebensverlängernde Faktoren erwiesen und die jetzige Studie sollte erstmals zeigen, dass sich die vier Faktoren auch ergänzen. Mit Erfolg: Die Mortalität sank in den bisher 11 Jahren Nachbeobachtungszeit mit jedem Punkt auf dieser „pragmatischen“, das heißt für jedermann leicht umsetzbaren Score.

Das liest sich in der etwas umständlichen Darstellung epidemiologischer Studien folgendermaßen: Verglichen mit den 6.285 Personen, die alle vier Kriterien erfüllten, stieg die Mortalitätsrate bei 3 erfüllten Punkten (4.568 Personen) um 39 Prozent (relatives Risiko RR 1,39; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,21-1,60), bei nur 2 erfüllten Punkten (1.407 Personen) um das Doppelte (RR 1,95; 1,70-2,25), bei nur einem erfüllten Punkt um das Zweieinhalbfache (RR 2,52; 2,13–3,00). Die 196 Personen, die keines der vier Kriterien erfüllten, hatten sogar ein vierfach erhöhtes Sterberisiko (RR 4,04; 2,95-5,54). Die erhöhte Sterblichkeit war am deutlichsten ausgeprägt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (RR 5,02 für 0 Punkte), war aber auch für Krebserkrankungen (RR 3,74) und andere Erkrankungen (RR 3,56) vorhanden. Die Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index und sozialer Schichtzugehörigkeit änderte grundsätzlich nichts an der Assoziation.

Anschaulicher als diese Zahlen ist ein Blick auf die Überlebenskurve der Teilnehmer (Figure 1 der Publikation). Von den Personen, die alle vier Kriterien erfüllten, waren nach 11 Jahre noch 95 Prozent am Leben. Bei den Personen, die keines der Kriterien erfüllten, waren es nur 75 Prozent. Personen, die keines der vier Kriterien erfüllen, hatten in etwa die gleiche chronologische Lebenserwartung wie 14 Jahre ältere Personen, die alle vier Kriterien erfüllen. 

Beobachtungsstudien sind nie frei von möglichen Verzerrungen. So kann es sein, dass Menschen nicht deshalb gesünder sind, weil sie Sport treiben, sondern dass eine gute Gesundheit den regelmäßigen Besuch in Fitnessstudios erst ermöglicht. Genau so ist es möglich, dass gebrechliche Menschen den Aufwand, der mit einer gesunden Ernährung verbunden ist, scheuen.

Andererseits wird es vermutlich keine randomisierten kontrollierten Studie geben, die unterschiedliche Lebensstile miteinander vergleichen. Britische Ernährungswissenschaftler sehen sich jedenfalls in ihren Ansichten bestätigt. Das Gesundheitsministerium nahm die Gelegenheit wahr, für die im letzten Jahr gestartete „Small Change, Big Difference“ Initiative zu werben, die sich für eine gesündere Ernährung der Briten einsetzt. Mit Spannung darf man nun darauf warten, was die EPIC-Studien der anderen neun Länder, darunter Deutschland, ergeben.