Ebola und die weltweit größten Epidemien

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  • Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 21. August 2014 13:14
  • Veröffentlicht: Donnerstag, 21. August 2014 13:12
  • Geschrieben von Lisa Oberländer
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Liebe Leserinnen und Leser,
 

in Westafrika spitzt sich die Lage zu: Immer mehr Menschen erkranken an Ebola, die Zahl der Toten steigt. Viele Menschen hierzulande fragen sich: Was ist Ebola? Warum ist die Seuche so tödlich, kann sie Deutschland erreichen? Wie kann ich mich schützen?

Die Ärztezeitung hat in einer Patienteninformation die drängendsten Fragen zu Ebola beantwortet.

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Das Ebola-Virus wütet seit Monaten in Sierra Leone, Liberia und Guinea. Am 16. August gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der registrierten Toten mit 1229 an, Tendenz weiter steigend. Es handelt sich um den schlimmsten Ebola-Ausbruch in der Geschichte. In Liberia sind Ebola-Patienten aus der Quarantäne in ein naheliegendes Armenviertel mit ca. 75 000 Einwohnern geflohen und die Regierung erteilte einen Schießbefehl an der Grenze.

Die weltweit größten Epidemien im Überblick

Malaria - Schon vor 4000 Jahren berichteten die Griechen von der Infektionskrankheit Malaria, die durch einen Stich der Anophelesmücke übertragen wird. Mit weltweit 350 bis 500 Millionen Betroffenen jährlich gilt sie als häufigste Tropenkrankheit. Etwa 1,5 bis 2,7 Millionen Menschen sterben pro Jahr, 90 Prozent der Todesfälle treten in Afrika auf.

Pest - Keine Krankheit hat in Europa mehr Opfer gefordert als die Pest. In nur vier Jahren (1347-51) raffte die Krankheit fast ein Drittel der Menschen in Europa dahin. Sie kam über den Seeweg aus Asien nach Europa und kehrte auch in späteren Jahren immer wieder. Die letzte große Pest-Epidemie trat in Deutschland 1713 auf.

Pocken - Der Pharao Ramses V und auch Goethe erkrankten daran. Die erste Pockenepidemie in Europa herrschte im sechsten Jahrhundert, im 13. Jahrhundert wütete sie in England, im 15. Jahrhundert in Deutschland. Mit den spanischen Eroberern kamen die Pocken nach Amerika und töteten dort Millionen. 1967 wurde die Pockenschutzimpfung weltweit vorgeschrieben. 1977 gab es den weltweit letzten natürlichen Pockenfall in Somalia; seit 1980 gilt die Welt als pockenfrei. Das Virus gibt es offiziell nur noch in zwei Laboratorien in Russland und in den USA.

Tuberkulose - Schon bei ägyptischen Mumien stellte man TBC fest und es war eine der häufigsten Todesursachen unter den Armen des 19. Jahrhunderts. 2006 starben der Weltgesundheitsorganisation zufolge rund 1,7 Millionen Menschen an „Schwindsucht“, bei weltweit 9,2 Millionen brach die Krankheit aus – vor allem in Ländern, in denen unhygienische Bedingungen herrschen und das Immunsystem der Menschen geschwächt ist, wie etwa in Afrika. Experten beobachten außerdem, dass einige Erregerstämme zunehmend resistent gegen verschiedene Antibiotika werden.

Spanische Grippe - Das Virus forderte knapp 50 Millionen Todesopfer zwischen 1918 und 1920 - besonders junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Es erreichte schnell die Ausmaße einer Pandemie, vor allem durch die Truppen- und Versorgungstransporte, die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzten und die Viren in andere Länder und auf andere Kontinente brachten. Laut Experten übertrug sich die Krankheit von Vögeln auf Menschen im amerikanischen Mittelwesten und verbreitete sich von dort aus rasant.

Cholera - Die Cholera ist seit dem sechsten Jahrhundert v. Chr. in Indien bekannt; im 19. und 20. Jahrhundert verbreiteten Händler die Infektionskrankheit auf mehrere Kontinente. Sechs Cholera-Pandemien folgten seitdem, Millionen starben. Die Übertragung der Bakterien erfolgt in erster Linie durch verseuchtes Trinkwasser, vor allem in Ländern mit niedrigem Hygienestandard (Südamerika, Südostasien, Afrika).

AIDS - Die älteste HIV-Infektion wurde 1959 in Zaire festgestellt, in der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Sie wurde anhand einer Blutprobe erkannt. 1966 soll das Virus nach Haiti und von dort aus 1969 in die USA gelangt sein. Mehr als 33 Millionen Menschen sind derzeit mit dem HI-Virus infiziert, das die Immunschwächekrankheit auslöst (jährlich drei Millionen Tote). Am häufigsten von HIV betroffen sind junge Frauen in Afrika. Circa jede dritte Frau zwischen 20 und 34 Jahren ist dort mit dem Erreger infiziert.

Gelbfieber - Zusammen mit den Handels- und Sklavenschiffen kam das Gelbfieber nach Amerika und dezimierte die Einwohnerzahlen ganzer Kolonien, Farmen und Städte. Von einer 33 000 Mann starken Truppe, die Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts nach Nordamerika aussandte, erlagen 29 000 Männer der Infektionskrankheit. Auch heute noch erkranken jedes Jahr rund 200 000 Menschen an Gelbfieber, meist in den tropischen Gebieten Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas. 30 000 von ihnen sterben.

Typhus - Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) und des Ersten Weltkriegs (1914-1918) forderte Typhus mehrere Millionen Todesopfer. Die Seuche arbeitet schnell: Als spanische Truppen 1489 gegen die Mauren kämpften, verloren sie innerhalb von vier Wochen 17 000 Soldaten durch die Infektion. Noch heute erkranken jährlich 22 Millionen Menschen (!) an der bakteriellen Infektion mit Salmonellen, meist in Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen (Afrika, Südamerika, Südostasien).

Kinderlähmung - Die Poliomyelitis hat in den vergangenen Jahrhunderten tausende Kinder gelähmt und getötet. Vor Einführung der Schluckimpfung (1962) gab es in den Industrienationen verheerende Epidemien mit Tod, Atemlähmung und bleibenden Gesundheitsschäden. 1952 infizierten sich in den USA 58 000 Menschen mit Polioviren – mehr als 3000 starben, 20 000 blieben gelähmt.
Aktuell haben Forscher ein mutiertes Virus isoliert, das den Schutz durch Impfungen erheblich unterlaufen kann. Das Virus kann auch für Deutschland ein Problem werden. >> weiterlesen