Alterssichtigkeit beginnt schon mit 20

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  • Kategorie: Augen
  • Zuletzt aktualisiert: Samstag, 28. Juli 2012 15:47
  • Veröffentlicht: Dienstag, 29. November 2011 07:30
  • Geschrieben von Lisa Oberländer
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Sie kommt schleichend, anfangs unbemerkt, bis Sie sich eines Tages vielleicht wundern, warum beim morgendlichen Zeitungslesen die Buchstaben verschwimmen.

Vielleicht sind Sie noch nicht ganz wach, sagen Sie sich und machen sich keine weiteren Gedanken darüber.

Alterssichtigkeit bzw. Altersweitsichtigkeit ist eine ganz normale Erscheinung. Verantwortlich dafür ist die Augenlinse, deren Elastizität von Geburt an kontinuierlich abnimmt. Das liegt daran, dass sich das Gewebe Jahr für Jahr ganz allmählich verdichtet. Die flexible Masse verhärtet und die Anpassung an möglichst nahe Entfernungen nimmt ab.


Um im Nahbereich scharf sehen zu können, muss sich die Linse wölben. Dafür zieht sich ein Ringmuskel im Ziliarkörper des Auges zusammen, wodurch sich der Aufhängeapparat der Linse zugleich entspannt und die Linse kugelförmiger wird.

Im Alter von 10 Jahren liegt der nächste Punkt des Scharfsehens beispielsweise bei 7,5 cm. Mit 20 Jahren bei 10 cm, mit 40 bei 22 cm und mit 60 bei einem Meter. Allerspätestens jetzt sind die Arme endgültig zu kurz für das Lieblingsbuch.

Doch nicht jeder ist im gleichen Maße betroffen. So gibt es eine nicht geringe Anzahl Achtzigjähriger, die noch immer keine Lesebrille benötigen. Offensichtlich hat der Prozess der Linsenverhärtung viel mit gesunder Ernährung, allgemeiner Fitness und einem intakten Herz-Kreislaufsystem zu tun.

Die Augenlinse liegt im vorderen Abschnitt des Auges hinter der Hornhaut zwischen Iris und Glaskörper. Sie ist durch eine durchsichtige, gallertartige, gewölbte Struktur gekennzeichnet, die aus dem Linsenkörper und Linsenfasern aufgebaut und von Epithel überzogen ist. Sie ist an Fortsätzen des Ziliarkörpers aufgehängt und kann durch den Ziliarmuskel gespannt werden, was die Brechung des Lichts verändert.

Die Augenlinse entwickelt sich aus einem Linsenbläschen, welches aus einer Kapsel und darunterliegenden unreifen Zellen besteht, ansonsten jedoch hohl ist. Im weiteren Verlauf nehmen die Zellen der Hinterwand eine längliche Form an und entwickeln sich so zu Linsenfasern, die schließlich das Linsenbläschen ausfüllen. Dieser Prozess führt zur Bildung des embryonalen Linsenkerns.

Die reife Linse selbst besteht neben der Kapsel aus der Linsenrinde und einem Linsenkern. Ein Deckgewebe befindet sich nur unter der Vorderkapsel der Linse. Unter der Linsenkapsel werden in einer Wachstumszone zeitlebens neue Zellen gebildet. Diese formen sich im weiteren Verlauf in längliche Fasern um. Dabei produzieren und reichern sie transparente Proteine an, die in Folge ihre Zellorganellen bzw. den Zellkern verlieren. Die neu gebildeten Fasern liegen schließlich, ähnlich den Häuten einer Zwiebel, den älteren Fasern von außen auf. Durch diesen Prozess nimmt die Linsenrinde zu Ungunsten des Linsenkerns mit zunehmendem Alter immer mehr zu und die ursprünglich sehr elastische Linse wird immer starrer.

Obwohl die Linse ein sehr stoffwechselaktives Organ ist, besitzt sie weder Nerven noch Blutgefäße, sondern wird ausschließlich über die im Kammerwasser enthaltenen Nährstoffe, Elektrolyte und anderen Substanzen versorgt. Damit ist die glasklare Durchsichtigkeit der Augenlinse gewährleistet.