Blasenschwäche

Wie funktioniert die Harnkontrolle?

Der in den Nieren produzierte Urin wird über die beiden Harnleiter in die Blase geleitet, in der er gesammelt wird. Die Blase ist ein sackartiges, dehnbares Hohlorgan mit einem Füllungsvolumen von mehr als 500 ml und besteht sowohl aus Muskulatur als auch aus Schleimhaut. Der Urin wird in einem Zusammenspiel von Beckenbodenmuskulatur und Blasenschließmuskel zurückgehalten. Rezeptoren in der Blasenwand liefern dem Gehirn Informationen zur Füllung der Blase, damit die Blasenentleerung willkürlich gesteuert werden kann.
Die Füllung der Blase kann man mit dem Aufblasen eines Luftballons vergleichen: Ist sie leer oder nur gering gefüllt ist sie relativ klein; bei vermehrter Urinproduktion und damit auch vermehrtem
Urinabfluss aus den Nieren vergrößert sie sich. Dabei kommt es zu einer Dehnung der Blasenwand und Muskulatur. Dieser Vorgang wird von den in der Blasenwand gelegenen Rezeptoren registriert und an das Gehirn weitergeleitet. Füllt sich die Blase nun weiter, entwickelt sich der Harndrang. Beim Wasserlassen zieht sich die Blasenwandmuskulatur zusammen und der Blasenschließmuskel erschlafft. Somit kann der Urin über die Harnröhre ausgeschieden werden.

Was ist Blasenschwäche?

Blasenschwäche oder Harninkontinenz bezeichnet das mehr oder weniger ausgeprägte Unvermögen, den Harn willkürlich in der Blase zurückzuhalten. Die Ursachen hierfür sind sehr verschieden; von Störungen des die Blasenentleerung koordinierenden Nervensystems über eine Störung der Blasenmuskulatur oder des Verschlusssystems. Harninkontinenz tritt in jedem Lebensalter auf (sowohl Kinder als auch Erwachsene sind betroffen), aber die Zahl der Neuerkrankungen steigt mit zunehmendem Alter und der Anzahl der Geburten. Ältere Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie ältere Männer.

Welche Formen gibt es und wie kommen sie zustande?

Grob unterteilt kann man folgende Formen der Inkontinenz unterscheiden:
- Belastungs–(Stress)Inkontinenz
- Drang–(Urge)Inkontinenz
- Reflexblase
- Überlaufblase

Belastungs–(Stress)Inkontinenz
Hierbei kommt es zu passivem (ohne Zusammenziehen der Blase) und unwillkürlichem (ungewolltem) Harnabgang ohne das Gefühl des Harndrangs, vor allem bei Druckerhöhungen im Bauchraum (Husten, Niesen, Lachen, Heben schwerer Lasten.

Drang-(Urge)Inkontinenz
Im Gegensatz zur Stressinkontinenz zeichnet sich die Dranginkontinenz durch einen sehr starken Harndrang aus. Die betroffenen Menschen müssen häufig urinieren und es kann selbst bei willkürlichem Harnrückhalt Urin abgehen. Bei der so genannten Reizblase, einer leichten Form der Dranginkontinenz, kann der Harndrang noch unterdrückt werden.

Reflexblase
Diese seltenere Form zeichnet sich durch aktiven unwillkürlichen Urinabgang ohne Harndrang aus. Dabei entleert sich die Blase ab einer gewissen Füllmenge automatisch.

Überlaufblase
Bei der so genannten Überlaufblase verbleibt in der Harnblase ein hohes Restharnvolumen (Urinvolumen, das nach dem Urinieren in der Harnblase verbleibt) und es kommt nur zu kleinen unwillkürlichen Harnabgängen.

Ursachen für Blasenschwäche

Jede der oben angeführten Formen der Inkontinenz hat ein anderes Ursachenspektrum, das ihr zugrunde liegt. Diese Ursachen sollen nun für jede Form einzeln beleuchtet werden.

Mögliche Ursachen einer Stressinkontinenz:
- Schwäche des Blasenschließmuskels
- Wechseljahre (durch Hormonmangel kann es zu Spannkraftverlusten der Harnröhre und der Beckenbodenmuskulatur kommen)
- Beckenbodenmuskulaturschwäche als Folge von Operationen oder Geburten
- Umstände, die mit einer häufigen Druckerhöhung im Bauchraum einhergehen (chronische Bronchitis durch häufiges Husten; Verstopfung durch vermehrtes Pressen beim Stuhlabgang; Übergewicht durch zusätzliches Fettgewebe im Bauchraum).
- Bindegewebsschwäche, die die oben angeführten Veränderungen begünstigt

Mögliche Ursachen einer Dranginkontinenz:
- Harnwegsinfektionen
- Blasensteine und Blasentumore
- Psychosomatische Blasenüberaktivität
- Lang anhaltende Abflusshindernisse im Bereich des Blasenausgangs (Prostatavergrößerung, Harnröhrenverengung)
- Strahlenschäden

Mögliche Ursachen einer Reflexblase:
- In erster Linie Verletzungen oder Erkrankungen im Bereich des Rückenmarks

Mögliche Ursachen einer Überlaufblase:
- Verengungen am Blasenausgang (Prostatavergrößerung, Harnröhrenverengung)
- Schwäche oder Verlust der Fähigkeit zum Zusammenziehen des Blasenmuskels (im jüngeren und mittleren Lebensalter häufig psychogen, im älteren Lebensalter häufig medikamentös; in allen Altersgruppen seltener auch durch Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes) oder Erkrankungen des peripheren bzw. zentralen Nervensystems)

Was kann gegen Blasenschwäche tun?

Die Tatsache, dass viele der Betroffenen die Problematik ignorieren bzw. sie nur mit Hilfsmitteln angehen, ist inakzeptabel. Denn was die meisten Betroffenen nicht wissen: Es gibt sowohl wirksame als auch einfache Methoden zur Verbesserung der Beschwerden. Vor allem im Frühstadium der Erkrankung und bei den beiden häufigsten Formen, der Stress– und Dranginkontinenz, kann mit relativ geringem Aufwand ein großer Nutzen erzielt werden.
Die Rede ist hier in erster Linie von der so genannten Beckenbodengymnastik und dem Toiletten– oder Miktionstraining. Die Beckenbodengymnastik setzt an einer der Hauptursachen für die Entstehung einer Stressinkontinenz an: Schwäche des Bindegewebes und der Beckenbodenmuskulatur.

Aber was ist der Beckenboden überhaupt? Seine Muskeln erstrecken sich wie eine Muskelplatte vom Schambein zum Gesäß. Diese Muskelplatte wird durchbrochen von den Körperausgängen für den Enddarm, die Harnröhre und bei Frauen zusätzlich der Scheide. Man sieht und spürt ihn nicht, aber trotzdem kann man seine Muskeln trainieren. Das sollte man auch tun, denn der Beckenboden schließt den Bauchraum nach unten ab und ist zu einem großen Teil mitverantwortlich für die korrekte Lage von Harnblase, Harnröhre und Gebärmutter zueinander. Wird diese korrekte Lage, z.B. durch ein Nachgeben des Beckenbodens, verändert, so kann es zu einer Stressinkontinenz kommen.
Muskeln trainieren hört sich gut an. Aber wie trainiert man eine Muskelgruppe, die man weder sieht noch spürt? Dazu muss man erst einmal ein Gefühl für diese Muskelgruppe bekommen. Vier Übungen, die Ihnen dies erleichtern sollen stellen wir hier kurz vor:

1. Halten Sie den Urinstrahl auf der Toilette für kurze Zeit an. Danach weiterlaufen lassen. Hilfreich kann sein, das Gesäß dabei zusammenzukneifen.

2. Speziell für Frauen: Führen Sie einen Finger in die Scheide ein und versuchen Sie, ihn mit der Scheidenmuskulatur festzuhalten.

Haben Sie durch diese Übungen erst einmal ein Gefühl für Ihren Beckenboden bekommen, können Sie mit dem eigentlichen Beckenbodentraining beginnen. Dazu stellen wir Ihnen wiederum zwei Übungen kurz vor.
Setzen Sie sich auf einen Stuhl, am besten ohne weiches Kissen, denn so spüren Sie Ihren Beckenboden besser.

3. Machen Sie Ihren Rücken rund und spannen Sie die Muskulatur rund um den After an.
Etwa so, als wollten sie den After nach innen ziehen. Halten Sie die Spannung, atmen Sie aus
und zählen Sie langsam bis 10 (Fortgeschrittene bis 15). Entspannen Sie die Muskeln wieder.
Diese Übung sollte man dreimal am Tag ca. 10 Mal wiederholen. Achten Sie darauf, dass die
Bauch – und Gesäßmuskulatur bei der Übung entspannt bleiben.

4. Kippen Sie Ihr Becken nach vorne, so dass ein Hohlkreuz entsteht. Spannen Sie nun in dieser
Position die Muskulatur rund um die Harnröhre –die Frauen auch rund um die Scheide– an.
Ausatmen und wieder bis 10 bzw. 15 zählen und danach entspannen. Auch diese Übung sollte
man dreimal täglich mit 10 Wiederholungen ausüben. Und es gilt wiederum: Kein Anspannen
der Bauch– und Gesäßmuskulatur.

Für genauere Trainingseinheiten, oder falls Sie sich nicht sicher sind ob Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur wirklich spüren, konsultieren Sie Ihren Arzt oder einen dementsprechend ausgebildeten Physiotherapeuten.

Eine weitere effektive und gleichzeitig einfache Methode ist das so genannte Toilettentraining. Es kann vielen an Dranginkontinenz leidenden Menschen eine Erleichterung und eine Verbesserung der Lebensqualität bringen.
Mit dem Toilettentraining versucht man, den optimalen Zeitpunkt für die Blasenentleerung zu bestimmen. Diesen Zeitpunkt zu ermitteln ist extrem wichtig, damit die Betroffenen den richtigen Zeitpunkt "erwischen", um auf die Toilette zu gehen. Natürlich bevor der Harndrang einsetzt.

Das Training kann man z.B. folgendermaßen gestalten: Die Betroffenen gehen zu Beginn alle zwei Stunden auf die Toilette, egal ob ein Harndrang besteht oder nicht, und urinieren. Die Zeitabstände werden dann allmählich verlängert. Das Ganze wird so lange durchgeführt, bis sich ein individueller Rhythmus eingependelt hat. Natürlich ist dieser Rhythmus stark von der Trinkmenge und vom Schweregrad der Inkontinenz des Einzelnen abhängig.

Durch ein konsequent durchgeführtes Toilettentraining stellen sich häufig schon bald Erfolge ein. Das Fassungsvermögen der Blase nimmt allmählich wieder zu und die Kontrolle über die Blasenentleerung steigt.
Hilfreich ist es, wenn die Betroffenen zur Unterstützung ein Miktionsprotokoll führen, in der sie die Blasenentleerung eintragen. So werden Erfolge schnell sichtbar.

Letztendlich muss man sagen, dass in vielen Fällen sicherlich eine Kombination aus Beckenbodengymnastik und Toilettentraining angebracht ist. Denn die Zahl der an einer Mischinkontinenz (Mischform aus Stress– und Dranginkontinenz) leidenden Betroffenen steigt stetig. Es sollte mit diesen Behandlungsmethoden in einem frühen Stadium der Erkrankung begonnen werden, denn je länger man abwartet umso eher wird bei einer Stressinkontinenz eine chirurgische Maßnahme und bei einer Dranginkontinenz eine medikamentöse Therapie nötig.

Gibt es Hilfe aus der Nahrungsmittelergänzung?

Verschiedene Pflanzen und Heilkräuter haben ihre Wirksamkeit bei Inkontinenzproblemen seit Jahrhunderten erwiesen. So ist die heilsame Wirkung des Arzneimittel– oder Gartenkürbis von Generation zu Generation überliefert worden. Und auch in der heutigen, hochtechnisierten Zeit halten Kürbissamen bzw. deren Öl einer „wissenschaftlichen“ Betrachtung stand. Denn mit Hilfe der Wissenschaft konnte man die Inhaltsstoffe der Kürbissamen nachweisen und mit den Jahren auch deren positive Wirkung auf die Blasenmuskulatur.
So ist z.B. Linolsäure, eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, in hohem Maße in Kürbissamen enthalten. Linolsäure hat neben ihrer positiven Wirkung auf das Arterioskleroserisiko auch eine positive Wirkung auf die prozentualen Anteile von Fett und Muskulatur im Körper. Das heißt, sie beeinflusst den Stoffwechsel in Richtung Fettabbau und Muskelaufbau. Über diese Mechanismen stärkt sie den Blasenmuskel und fördert das Zusammenspiel der Blasenmuskulatur.
Außerdem sind Kürbiskerne bzw. deren Öl reich an Vitamin E und Magnesium. Vitamin E ist nicht nur ein potentes Antioxidans, sondern kräftigt auch die Muskulatur und das Bindegewebe. Magnesium verbessert die Muskelfunktion.
Im 19. Jahrhundert machte der deutsche Arzt Rademacher die Heilkraft der Goldrute bekannt und empfahl sie bei Nierenproblemen. Noch heute wird die Goldrute als eines der besten Nierenmittel empfohlen. Goldrute gilt aufgrund der Saponine und Flavonoide als entzündungshemmendes Diuretikum. Außerdem kann sie sanft den quälenden Harndrang vermindern.
Als pflanzliches Arzneimittel geeignet für die Inkontinenzbehandlung ist der Gewürzsumach, ein Verwandter des bei uns bekannten Essigbaumes. Er enthält in der Rinde seiner Wurzeln Arzneistoffe mit blasenentspannenden Eigenschaften. Neben seiner spezifischen Wirksamkeit ist die sehr gute Verträglichkeit dieser Arzneipflanze hervorzuheben.

Schlussfolgerung
Blasenschwäche ist kein Schicksalsschlag, den man einfach hinnehmen muss. Ganz im Gegenteil. Man kann mit einfachen Methoden im Frühstadium der Erkrankung viel bewirken und eventuelles operatives oder medikamentöses Eingreifen hinauszögern oder sogar verhindern. Auch mit pflanzlichen Mitteln können Sie viel erreichen. Also, trauen Sie sich und sprechen Sie Ihren Arzt oder Heilpraktiker auf mögliche Behandlungsmöglichkeiten an. Es lohnt sich!


Diese Information basiert auf verschiedenen Veröffentlichungen. Für die Richtigkeit der Aussagen übernehmen wir keine Haftung. Ferner sollte diese Information nicht zur Behandlung von Erkrankungen genutzt werden. Falls Sie Medikamente einnehmen oder in ärztlicher Behandlung sind, sollten Sie vor der Einnahme jeglicher Nahrungsergänzungsmittel Ihren Arzt zu Rate ziehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle Nebenwirkungen nicht bekannt sind.