Muskelkater

Jeder kennt es: Die betroffenen Muskelpartien sind hart, steif, geschwollen und kraftlos, sie schmerzen auf Druck und bei aktiven wie passiven Bewegungen. Die Beschwerden treten frühestens einige Stunden nach einer Belastung auf und halten je nach Schweregrad mehrere Tage an.

Muskelkater tritt meist dann auf, wenn der Muskel nachgebende, "exzentrische" Arbeit leisten muss. Wenn Sie viele Treppen hinaufsteigen, sind Sie zwar müde und nicht mehr belastbar, aber Sie haben keinen Muskelkater. Laufen Sie dagegen Treppen hinunter, können Sie sich am nächsten Tag kaum noch bewegen. Schuld ist nicht, wie vielfach vermutet, eine Übersäuerung des Muskels. Vielmehr sind es kleinste Verletzungen innerhalb der Muskulatur, die so genannten Mikrotraumen. Bei der exzentrischen Arbeit muss sich der Muskel dehnen, während er gleichzeitig zusammengezogen wird. Da die Schäden der Muskelzellen bereits unmittelbar nach den exzentrischen Kontraktionen nachgewiesen wurden, sind (intrazelluläre) Mikroverletzungen für diese Muskelkaterform die inzwischen akzeptierte Ursache.

Schmerzen und Spannungsgefühle in der betroffenen Muskulatur werden durch die Stoffwechselprodukte verursacht, bei infolge der Entzündungsreaktion entstehenden. Sowohl die entstehenden Zerfallsprodukte wie auch der erhöhte Gewebedruck dürften schmerzauslösend sein. Die Verzögerung des Muskelkaters entsteht, weil die Schmerznervenendigungen extrazellulär im Bindegewebe liegen. Außerdem benötigt die Entzündungsreaktion eine gewisse Zeit zum „Anlaufen“. Eine Mangeldurchblutung als Ödemfolge könnte den Schmerz verstärken. Zusätzlich wird eine Verspannung als Schmerzfolge diskutiert.

Vitamin E reduziert Muskelkater
Wie eine Studie von Ärzten um Dr. J. Sacheck von der Universität in Boston/MA ergab, konnte die Zufuhr von Vitamin E Muskelschmerzen nach zu hoher körperlicher Anstrengung vermindern. Dieser Effekt komme durch die starke antioxidative Wirkung des Vitamins zustande: überschüssige freie Radikale würden gebunden und unschädlich gemacht, bevor sie das Muskelgewebe schädigen könnten. Die Tagesaufnahme sollte bei 100mg liegen, 200mg werden unproblematisch vertragen, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen, können 400mg über einige Tage gegeben werden. Unerwünschte Nebenwirkungen sind selbst bei hoher Dosierung nicht beobachtet worden.

In der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Crossover-Studie von Prof. W.J. Krämer (Ball State University, Muncie, Ind./USA )wurden 10 gesunde und sportlich aktive Männer in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten im Vorfeld der Tests 3 Wochen lang täglich 2 g L-Carnitin bzw. ein Placebo. Nach dieser Vorlaufzeit stellten sich sämtliche Probanden einem Sportprogramm, bestehend aus fünf Runden Zirkeltraining. Blutproben, die vor und nach dem Training entnommen wurden, zeigten klare Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Im Blut und im Urin wurden Parameter gemessen, die einerseits als Maßstab für eine Schädigung der Muskulatur gelten (Kreatin-Kinase, Myoblobin = Muskelproteine, die einen Abbau der Muskulatur anzeigen) sowie Parameter, die ein Maß für den oxidativen Stress der Muskulatur darstellen (Hyphoxanthin, Xanthin-Oxidase, Malondialdehyd).
Bei Probanden, die L-Carnitin einnahmen, waren die Vorkommen an Harnsäure, Serum Myoglobin und Kreatin-Kinase im Blut deutlich geringer als bei der Placebo-Gruppe. Statt ATP (Adenosintriphosphat) abzubauen, griff der Körper bei den L-Carnitin-Testpersonen verstärkt auf Fett (Triglyceride) zurück. Die Schäden am Muskelgewebe und damit verbundene Schmerzen (Muskelkater) waren mit L-Carnitin signifikant niedriger. Darüber hinaus wurde eine geringere Konzentration freier Radikaler im Blut nachgewiesen.

In einer ebenfalls von . W.J. Krämer vorgestellte Doppelblind-Studie wurde eindeutig nachgewiesen: wer vorbeugend und parallel zum Sport eine Kombination aus 200 mg L-Carnitin und 200 mg Omega-3-Fettsäuren einnimmt, ist nebenwirkungsfrei vor den Muskelschmerzen geschützt. Denn L-Carnitin vermehrt die Belastbarkeit der Muskeln, erhöht die Schmerzgrenze und steigert die Ausdauer. Die Omega-3-Fettsäuren verstärken diese Wirkung und sind außerdem entzündungshemmend. Selbst nach extremer Überbelastung traten Muskelschmerzen erheblich abgeschwächt auf und konnten innerhalb von 24 Stunden um 64 Prozent und nach 96 Stunden bis zu 98 Prozent reduziert werden.

Ginkgo Biloba
wirkt antioxidativ und durchblutungsfördernd. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Ginkgo Biloba - Extrakte hilfreich bei der Regenerierung geschädigter Zellen sein können. Damit Ginkgo optimal wirken kann, sollte ein standardisierter Ginkgo-Extrakt eingenommen werden.

Weiterhin empfohlen für eine schnellere Regeneration geschädigter Muskelzellen ist die Einnahme von freien Aminosäuren, den Eiweißbausteinen dieser Zellen.

Erfolge wurden auch mit der Einnahme von entzündungshemmenden Präparaten, wie z.B. Boswellia Serrata (Weihrauch) beobachtet. Experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass die Boswellia-Säuren eine deutliche entzündungshemmende Wirkung haben. Im Gegensatz zu den herkömmlichen, nicht-steroidalen Entzündungshemmern, bewirkt eine längere Einnahme von Boswellia keine Reizung und kein Geschwür des Magens.

Um die Heilung des Muskelkaters zu beschleunigen, sollte man hohe Kraftbelastungen vermeiden. Leichtes Training über mehrere Tage beschleunigt die Erholung. Vorübergehend lässt sich der Bewegungsschmerz durch vorsichtiges passives Dehnen oder durch leichte konzentrische Arbeit abschwächen.
Wärmeanwendungen verbessern die Durchblutung und regen damit die Regeneration an. Die Wärme bewirkt die sogenannte Vasodilatation (Gefäßerweiterung), die dann die Durchblutung steigert (Hyperämie) und damit auch die Regeneration fördert.

Bei Muskelkater nicht massieren! Wie bereits beschrieben, handelt es sich um winzigkleine Entzündungen, die verheilen müssen. (Es käme doch niemand auf die Idee, bei einer entzündeten Schnittwunde am Finger durch Massage die Heilung zu beschleunigen).

Diese Information basiert auf verschiedenen Veröffentlichungen. Für die Richtigkeit der Aussagen übernehmen wir keine Haftung. Ferner sollte diese Information nicht zur Behandlung von Erkrankungen genutzt werden. Falls Sie Medikamente einnehmen oder in ärztlicher Behandlung sind, sollten Sie vor der Einnahme jeglicher Nahrungsergänzungsmittel Ihren Arzt zu Rate ziehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle Nebenwirkungen nicht bekannt sind.