Wadenkrämpfe

Von Wadenkrämpfen betroffen sind nicht nur Sportler, sondern vor allem Frauen, Schwangere und Senioren. Erhebungen zufolge sind es ca. 40 % der Bevölkerung Deutschlands. Die Häufigkeit nimmt besonders in den Sommermonaten zu. Sehr oft treten Wadenkrämpfe nachts auf und stören dadurch den Schlaf. In einigen Fällen bringen sie die betroffene Person sogar in lebensbedrohliche Situationen (z.B. bei Schwimmen).
Hervorgerufen werden können Wadenkrämpfe z.B. durch: Störungen im Elektrolythaushalt (Magnesiummangel), Überanstrengung bei der Arbeit und beim Sport, Übermüdung, Langzeiteinnahme von bestimmten Medikamenten, Durchblutungsstörungen in den Beinen, Nervenstörungen in den Muskelfasern, Arthrose des Kniegelenkes.

Der Wadenkrampf hat schon manch tragisches Ereignis ausgelöst. Im vergangenen August etwa verlor im schweizerischen Kreuzlingen eine 38-jährige Frau aufgrund unwillkürlicher Kontraktionen ihrer Wadenmuskeln die Kontrolle über ihr Fahrzeug und krachte in das Auto vor ihr. Im britischen Birkenhead setzte ein ehemaliger Pilot, 82, seinen Honda Jazz mit Wadenkrämpfen gegen eine Mauer - und starb unter den herabprasselnden Betonblöcken. Und Torjäger Michael Ballack konnte bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 erst im zweiten Spiel eingesetzt werden. Diagnose: »Crampi«.

Am Anfang steht jedes Mal ein mysteriöser Amoklauf der Nerven, die plötzlich in schneller Folge die Muskeln anfeuern, sich ruckartig zusammenzuziehen. Das wiederum reizt die Dehnungsrezeptoren in den Sehnen. Daraufhin lässt der Muskel kurz locker, zieht sich aber sofort wieder heftig zusammen. Die mechanische Irritation alarmiert wiederum Muskelsensoren, die größeren Schaden verhindern sollen und dem Gehirn die Überlastung mit einem scharfen Schmerzimpuls signalisieren. Nach einigen Sekunden oder Minuten geht die peinigende Attacke vorbei - in Extremfällen bleiben feine Muskelfaserrisse zurück.

Wahrscheinlich ist die Anfälligkeit für Wadenkrämpfe abhängig von dem Verhältnis von Muskelfasern, die sich langsam, und solchen, die sich schnell zusammenziehen. Im krampfanfälligen Schollenmuskel im Unterschenkel stecken besonders viele langsame Fasern. Begünstigt wird der Krampf durch Schlafmangel, Alkohol und Kaffee. Kalte Muskeln sind anfälliger als warme und überbeanspruchte Muskeln mehr als entspannte. Aus diesen Gründen ist der Wadenkrampf unter Schwimmern gefürchtet. 


Magnesiummangel

Ein Magnesiummangelsyndrom kann den ganzen Körper betreffen und zahlreiche Symptome erzeugen. Er wird jedoch eher selten diagnostiziert, da ein Magnesiummangel in einem Muskel oder einem Organsystem vorliegen kann, obwohl der gemessene Magnesium-Gehalt im Blut normal ist. Die häufigsten Auslöser für Magnesiummangel sind:

  • starkes Schwitzen
  • einseitige Ernährung, langes Hungern, aber auch Diäten
  • erhöhte Ausscheidung von Körpersalzen, weil wasserausscheidende Medikamente (Diuretika) oder Abführmittel eingenommen werden höherer Bedarf an Magnesium, besonders in der Schwangerschaft, bei starker körperlicher Belastung (u.a. Leistungssport), aber auch bei allgemeinem Dauerstress
  • chronisches Erbrechen und chronischer Durchfall
  • Stoffwechselstörungen wie z.B. Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes
  • einseitige Ernährung, langes Hungern, aber auch Diäten
  • regelmäßiger Alkoholgenuss
  • mangelndes Trinken (besonders häufig bei alten Menschen)

Gefäßerkrankungen

Fuß- und Wadenkrämpfe können ihre Ursache auch in Krampfadern (Varikose) haben. Patienten mit Krampfadern klagen außerdem über Müdigkeits-, Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen, abends schwellen oft die Knöchel an. Typischerweise nehmen die Beschwerden bei warmem Wetter, in den Abendstunden oder nach langem Sitzen oder Stehen zu.
Auch bei Verschlusskrankheiten der Arterien, wie z.B. dem Raucherbein, können Wadenkrämpfe vorkommen. Das typische Symptom dieser so genannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) ist der Schmerz, der nach einer längeren Gehstrecke auftritt und zum Stehenbleiben zwingt.

Neurologische Erkrankungen

Chronischer Diabetes, Alkoholismus und Zecken-Borreliose sind einige Beispiele für Erkrankungen, die zu einer Störung im periphere Nervensystem führen kann. Diese Störung zeigt sich durch Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen im Unterschenkelbereich. Wadenkrämpfe können zusätzlich auftreten.

Einnahme von Medikamenten

Wadenkrämpfe sind auch als Nebenwirkung bei der Einnahme bestimmter Medikamente bekannt. Dies betrifft besonders die Entwässerungsmittel (Diuretika), Chemotherapeutika, Lithium, Cimetidin und Beta 2-Sympathomimetika. Auch Patienten, die aufgrund von Nieren-Erkrankungen regelmäßig zur Dialyse müssen, berichten über häufige Wadenkrämpfe.

Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft treten Wadenkrämpfen besonders häufig auf. Hier müssen ernährungs- und stoffwechselbedingte Ursachen ausgeschlossen werden.

Erste Hilfe bei Wadenkrämpfen
Bei Muskelkrämpfen aller Art hilft es, den Muskel zu dehnen. Man sollte versuchen, die Zehen zu umfassen und sie in Richtung des Schienbeins zu ziehen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, umherzulaufen und dabei fest auf den Boden aufzutreten oder Wadenmuskulatur zu massieren.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Bei Durchblutungsstörungen helfen Ginkgo- und Knoblauchpräparate.
  • Magnesiumpräparate helfen bei einem bestehenden Magnesiummangel.
  • Ernähren Sie sich mit magnesiumreichen Vollkornprodukten, mit reichlich Obst und Gemüse.
  • Meiden Sie Alkohol und Nikotin.
  • Gegen Wadenkrämpfe hilft auch regelmäßige Fußgymnastik.

Sollten die Wadenkrämpfe immer häufiger auftreten, dann sind intensivere Nachforschungen notwendig. Sie können ein Symptom sein für Leberzirrhose, Nierenversagen, Schilddrüsenunterfunktion oder eine schwächelnde Nebennierenrinde. Auch Medikamente wie die verbreiteten Betablocker, die Antibabypille oder manche Herzpillen können den Krampf hervorrufen. Darüber hinaus gibt es Symptome, die mit Krämpfen verwechselt werden, die eigentlich Ausdruck von schwerwiegenden Erkrankungen sind wie die Amyotrophe Lateralsklerose oder das seltene Stiff-Man-Syndrom, bei dem die Muskeln im Anfangsstadium nur bei emotionaler, akustischer oder optischer Stimulation stark anspannen, später dann zunehmend versteifen.

Diese Information basiert auf verschiedenen Veröffentlichungen. Für die Richtigkeit der Aussagen übernehmen wir keine Haftung. Ferner sollte diese Information nicht zur Behandlung von Erkrankungen genutzt werden. Falls Sie Medikamente einnehmen oder in ärztlicher Behandlung sind, sollten Sie vor der Einnahme jeglicher Nahrungsergänzungsmittel Ihren Arzt zu Rate ziehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle Nebenwirkungen nicht bekannt sind.