Schreckgespenst Tuberkulose

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  • Kategorie: Lunge
  • Zuletzt aktualisiert: Samstag, 28. Juli 2012 15:47
  • Veröffentlicht: Montag, 15. Dezember 2008 11:48
  • Geschrieben von Lisa Oberländer
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Ein Drittel der Weltbevölkerung ist betroffen!

Tuberkulose (TBC, früher auch die Schwindsucht oder der Morbus Koch, umgangssprachlich „die Motten“) schien in Mitteleuropa in den letzten Jahren kaum mehr ein Thema zu sein. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Tuberkulose in unseren Breitengraden sozusagen als ausgelöscht. Doch Vorsicht! Die Krankheit ist wieder auf dem Vormarsch. Das liegt vor allem daran, dass die Resistenzen gegen die Behandlung extrem zugenommen haben.

Neueste Funde lassen Forscher vermuten, dass bereits der aus Afrika stammende Frühmensch Homo erectus vor 500.000 Jahren an Tuberkulose litt. Skelettüberreste von prähistorischen Menschen (4000 v. Chr.) zeigten Spuren der Krankheit. Um 460 v. Chr. bezeichnete Hippokrates die Tuberkulose als die am weitesten verbreitete Krankheit aller Zeiten, die fast immer tödlich war. Die dritte und größte geschichtliche Welle der Tuberkulose begann im 17. Jahrhundert und gipfelte im 18. Jahrhundert. Die industrielle Revolution im 19. und 20. Jahrhundert und die Entstehung von städtischem Lebensraum unter ärmlichsten Umständen boten einen weiteren verhängnisvollen Nährboden für diese Krankheit, sodass Mitte des 19. Jahrhunderts etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Europa an der sogenannten „Weißen Pest“ starb. Nach einem kurzen Aufflackern der Epidemie kurz nach dem Ersten bzw. dem Zweiten Weltkrieg wurde es in Mitteleuropa still um die einst gefürchtete Seuche.

Tuberkulose ist immer noch die weltweit häufigste, tödliche bakterielle Infektionskrankheit. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jeden Tag mehr als 20.000 Menschen an einer Tuberkulose, 5.000 sterben täglich daran.

In Westeuropa ging die Tuberkulosehäufigkeit durch verbesserte Lebensbedingungen und wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahrzehnten stark zurück. Die Zahl der Neuerkrankungen in Mitteleuropa sinkt zwar weiterhin leicht, aber es werden zunehmend resistente Tuberkulosestämme nachgewiesen, gegen die sogar die effektivsten Medikamente wirkungslos sind. Während eine unkomplizierte Tuberkulose in sechs Monaten gut zu heilen ist, dauert es bei multiresistenten Formen bereits neun Monate bis anderthalb Jahre.
Alarmierend ist der Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen in den osteuropäischen Staaten. Die WHO berichtete wiederholt über die dramatische Zunahme von Tuberkulose-Infektionen in Osteuropa. In den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion hat sich die Sterblichkeit an Tuberkulose seit 1990 nahezu verdreifacht. Weitere Sorge bereitet Experten die Entwicklung von multiresistenten Tuberkulosestämmen in den jüngsten Mitgliedern der Europäischen Union. Am schlimmsten sieht es in Rumänien oder Bulgarien aus. Hier wurden mehr als 140 Infektionen auf 100 000 Einwohner festgestellt

Tuberkulose wird durch das Mycobacterium tuberculosis ausgelöst. Die Übertragung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion von erkrankten Menschen. Nur bei etwa 5 bis 10 Prozent der Infizierten bricht die Erkrankung aus – zu 80 Prozent als Lungentuberkulose. Bei geschwächtem Immunsystem kann sie jedoch jedes Organ befallen. Die sehr unterschiedlichen Symptome reichen von Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Fieber, Nachtschweiß und Husten über Wochen. Eine typische Erscheinung der Erkrankung zeigt eine Röntgenaufnahme der Lunge. Die Tuberkulose-Bakterien zerstören das Gewebe in Form von Löchern im Gewebe (auch als „Mottenfraß“ bezeichnet).
Da sich die Tuberkulose-Bakterien über Lymphsystem oder Blutbahn verteilen können, kann es sogar zu einer Verbreitung im gesamten Körper kommen. Die Organ-Tuberkulose wird begleitet von schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen an Gelenken und Wirbelsäule, enormer Schwächung und Gewichtsverlust, was die veraltete Bezeichnung „Schwindsucht“ erklärt.