Phosphatidylserin (PS)

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  • Zuletzt aktualisiert: Samstag, 28. Juli 2012 15:47
  • Veröffentlicht: Montag, 15. Dezember 2008 08:23
  • Geschrieben von Lisa Oberländer
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Während wir altern, glauben viele von uns, dass ein nachlassendes Gedächtnis ein Teil davon ist. Tatsache ist jedoch, dass das menschliche Gehirn in hohem Grade empfindlich gegen das Leben in der modernen „entwickelten“ Gesellschaft ist. Ungesunder Lebensstil, ständiger emotionaler Druck und Umweltgifte beschädigen die zerbrechlichen Gehirnzellen. Auch pharmazeutische Präparate können schweren Gedächtnisverlust verursachen. Bereits im Alter von Mitte 30 können Anzeichen wahr genommen werden, die im Weiteren fort bestehen.

Wieso ist die Versorgung mit Phosphatidylserin oft nicht mehr ausreichend?

Die Antwort klingt paradox: Wir ernähren uns gesund, haben gelernt, fett- und cholesterinhaltige Nahrungsmittel zu reduzieren und verzichten immer öfter auf Innereien (Leber, Niere, Milz) und Wurstwaren. Doch genau diese Lebensmittel sind reich an Phosphatidylserin. Die (eigentlich sinnvolle) fett- und cholesterinreduzierte Ernährung führt dazu, dass die notwendige Zufuhr von 200 bis 300 Milligramm Phosphatidylserin pro Tag in vielen Fällen nicht mehr gewährleistet ist.

Forschungsergebnisse bestätigen, dass PS signifikant auf die Gehirn-Gesundheit wirkt. Achtzehn doppelblinde Studien belegten, dass es Gedächtnis, Lernen, Konzentration, Wortwahl und Stimmung fördert. In einer weiteren Untersuchung mit Probanden mittleren Alters half PS, 12 Jahre an verlorener Gedächtnisenergie wieder zu gewinnen.
PS ist ein Hauptbaustein der Membranen der Nervenzellen sowie ein wichtiger Regulator der normalen, gesunden Aktion der Neurotransmitter und des Informationsaustausches zwischen den Gehirnzellen. PS energetisiert das Gehirn, unterstützt die elektrochemische Übertragung von Impulsen im Bereich der Hirnareale und hat positiven Einfluss auf die Gehirn-Gesundheit. …denn nur in einem gesunden Hirn, wohnt auch ein gesunder Geist.

Funktionen des Phosphatidylserins

  • Bestandteil von Zellmembranen Phosphatidylserin ist ausschließlich in der inneren Membranschicht zytoplasmatische Seite zu finden steht in enger Wechselwirkung mit intrazellulären Proteinen PS ist besonders wichtig für die Aktivierung der Protein Kinase C, die für die Phosphorylierung anderer Proteine von Bedeutung ist [4]
  • Regulation der Freisetzung von Neurotransmittern und Beteiligung an synaptischen Aktivitäten Serin ist neben der Aminosäure Methionin Ausgangsstoff für die Synthese von Cholin, welches wiederum für die Bildung von Acetylcholin, ein wichtiger Neurotransmitter, benötigt wird [2, 3, 4, 5, 7, 8]
  • Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes der Zelle [2, 3, 5, 7, 8]
  • Calcium-Bindung [1]
  • Blutgerinnung PS ist bedeutsam für den Plättchenfaktor 3 [1]
  • Einfluss auf den Hormonspiegel, insbesondere auf den Cortisolspiegel [1]


Phosphatidylserin und Stress

Stressreaktionen können durch eine Unterversorgung von Phosphatidylserin, dem wichtigsten Signalüberträger für das Nervenzellennetzwerk im Gehirn, hervorgerufen werden. Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsschwächen und Vergesslichkeit sind die häufigen Folgen, die sich gerade am Arbeitsplatz und in der Schule äusserst ungünstig auswirken können. Mentaler Stress tritt auf und die enorme Informationsflut unserer modernen Arbeitswelt lässt sich nicht mehr bewältigen. Eine tägliche Zufuhr von 100-300 Milligramm Phosphatidylserin steigert die Merk- und Lernfähigkeit sowie auch die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit. Das Gehirn arbeitet konzentrierter, flexibler und effektiver. 

Förderung der Gehirnfunktion

Ältere Menschen weisen häufig aufgrund einer unzureichenden Vitalstoffversorgung, insbesondere an Methionin, Folsäure, Vitamin B12 oder essentiellen Fettsäuren, niedrige Werte von Phosphatidylserin im Gehirn auf [2, 3, 4, 5, 7, 8]. Schließlich klagen ältere Menschen oft über verschlechterte mentale Funktionen und Depressionen [2, 3, 5, 7, 8].
Etliche Untersuchungen konnten bestätigen, dass Phosphatidylserin die Gehirnfunktion unterstützt und so vor einem Abfall der kognitiven Funktion im Alter entgegenwirken kann [2, 3, 4, 5, 7, 8]. In einer großen Doppelblind-Studie nahmen 425 Probanden im Alter von 65-93 Jahren teil, die mäßige bis schwere Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit, insbesondere des Gedächtnisses, des Denkvermögens, der Sprache und Motorik, aufwiesen. Ihnen wurden über 6 Monate täglich 300 mg Phosphatidylserin oder ein Placebo verabreicht. Am Ende der Studie konnten signifikante Verbesserungen sowohl im Verhalten und in der Stimmung als auch bei den Erinnerungs- und Lernleistungen, die mit Hilfe von Worterinnerungstests ermittelt wurden, festgestellt werden [2, 3, 5, 7, 8].

In einer anderen Studie mit älteren Personen zeigten sich deutliche Verbesserungen des Kurzzeitgedächtnisses, der Konzentration und der Aufmerksamkeit. Zudem verbesserten sich depressive Symptome, die Fähigkeit zur Bewältigung des täglichen Lebens und das Apathie-Verhalten [2, 3, 5, 7, 8, 9]. Apathie geht unter anderem meist mit Teilnahmslosigkeit, mangelnder Erregbarkeit und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen einher.

Eine mögliche Erklärung für die Verbesserungen der kognitiven Funktionen bei älteren Menschen unter Phosphatidylseringaben ist die vermehrte Synthese des Neurotransmitters Acetylcholin. Durch erhöhte Konzentrationen an PS kann eine schnellere und gesteigerte Acetylcholinausschüttung in den synaptischen Spalt Spaltraum zwischen zwei hintereinandergeschalteten Neuronen gewährleistet werden [1, 10]. Das führt zu einem gesteigerten Erinnerungsvermögen und einer gesteigerten mentalen Leistungsfähigkeit [1, 10]. Nach neuesten Erkenntnissen könnte Phosphatidylserin eventuell die Acetylkonzentration an der motorischen muskulären Endplatte bei körperlicher Kraftentwicklung erhöhen [1].

Einfluss auf den Hormonspiegel


Die durch körperliche Aktivität ausgelöste Ausschüttung von Stresshormonen konnte infolge von Phosphatidylseringaben deutlich gesenkt werden [8]. Dieser Effekt konnte sowohl bei älteren Personen als auch gesunden jungen Menschen beobachtet werden. Von besonderem Interesse ist der Einfluss von Phosphatidylserin auf den Cortisolspiegel. Cortisol gehört zu der Gruppe der Glukokortikoide und wird in der Nebennierenrinde synthetisiert. Die Nebennierenrindenproduktion an Cortisol wird durch ACTH aus dem Hypophysenvorderlappen angeregt. Demnach wird die Cortisolausschüttung hauptsächlich durch Stress ausgelöst so zum Beispiel nach Widerstandstraining [2, 3, 5, 7, 8]. Cortisol besitzt ein sehr breites Wirkungsspektrum. Vor allem wirkt das Stresshormon auf den Kohlenhydratstoffwechsel Förderung der Neubildung von Glucose , den Fettstoffwechsel Förderung der fettabbauenden Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin und den Proteinumsatz Förderung des Proteinabbaus. Zudem stellt Cortisol den Precursor Vorstufe für die Testosteronsynthese dar. Nach Widerstandstraining kommt es schließlich zu einem starken Anstieg der Cortisolproduktion und -ausschüttung, was sowohl zu einem Abbau von Muskulatur als auch zu einem Rückgang des Testosteronspiegels führt [2, 3, 5, 7, 8]. Aufgrund des hohen Cortisolspiegels behindert sich das Hormon selbst an den Zielzellen der Testosteronproduktion, wodurch letztlich die Testosteronsynthese reduziert wird. Der Einfluss von Phosphatidyl-Serin auf den Cortisolspiegel wurde in einer Doppelblindstudie an Personen untersucht, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden und innerhalb von Woche acht Mal an einem Widerstandstraining für alle Muskelgruppen teilnahmen. Die eine Gruppe nahm neben der normalen Ernährung zusätzlich 800 mg Phosphatidylserin ein, während die andere Gruppe ein wirkungsloses Placebo erhielt. Unmittelbar nach dem Training wurde jeweils der Cortisol- und Testosteronspiegel sowie die mentale Leistungsfähigkeit erfasst. Die Auswertung ergab bei der mit PS supplementierten Gruppe durchgängig einen deutlich niedrigeren Cortisolspiegel nach jeder Trainingsphase im Vergleich zu den mit wirkungslosem Placebo supplementierten Teilnehmern. Infolge der geringeren Cortisolproduktion wies die PS-Gruppe nach jeder Trainingseinheit einen gesteigerten Testosteronspiegel auf, da die Testosteronproduktion nun ungehindert ablaufen konnte. Zudem berichtete ein großer Teil der mit Phosphatidylserin supplementierten Teilnehmer von einer verbesserten mentalen Leistungsfähigkeit [2, 3, 5, 7, 8].
Diesem Ergebnis zur Folge beugt Phosphatidyl-Cholin in Verbindung mit Widerstandstraining durch die Hemmung der Cortisolproduktion einem Protein- und damit Muskelkatabolismus vor und kann schließlich zur Erhöhung der Muskelmasse führen [2, 3, 5, 7, 8]. Darüber hinaus trägt Phosphatidylserin zur Förderung der Regeneration nach dem Training bei [2, 3, 5, 7, 8].

Geringe Konzentrationen an Phosphatidyl-Serin korrelieren mit [1, 10]

  • Einer verminderten Freisetzung von Neurotransmittern, insbesondere von Acetylcholin
  • Einem vermehrten Mangel an Acetylcholin im synaptischen Spalt neuronaler Zellen, was mit einer verschlechterten Reizweiterleitung verbunden ist eine gestörte Signalübertragung beeinträchtigt die mentale Leistungsfähigkeit, insbesondere ist die Erinnerungs- und Lernleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit, das Denkvermögen sowie die Sprache und Motorik betroffen
  • Rückbildung der Nervenzell-Dendriten mit der Folge einer nachlassenden Gedächtnisleistung

Phosphatidylcholin bei Colitis Ulcerosa

Als neue Option bei Colitis ulcerosa wurde die Supplementierung mit Phosphatidylcholin geprüft. In einer Phase-II-Studie wurden zum Beispiel 60 Patienten mit chronisch aktiver Erkrankung, aber ohne Steroidtherapie, drei Monate lang mit viermal täglich retardiertem Phosphatidylcholin oder mit Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war die Induktion einer Remission oder eine Verbesserung des CAI um mindestens 50 Prozent. Dieser Endpunkt wurde mit Verum von 53 Prozent und mit Placebo von zehn Prozent der Patienten erreicht (Gut 2005; 54(7): 966 - 971).
Phosphatidylcholin wirkt in der Darmwand wie eine Schutzschicht, die die Epithelien vor einem zu intensiven Kontakt mit Fremdmaterial schützt, so Professor Wolfgang Stremmel von der Uniklinik Heidelberg bei einem Falk-Workshop in Basel.Es habe im Darm einen intrinsisch antiinflammatorischen Effekt. Bei Colitis ulcerosa ist die Phosphatidylcholin-Konzentration in der Mukosa des Rektums um teilweise mehr als 70 Prozent reduziert.

Quellen:

  1. Berg J.M., Tymoczko J.L., Stryer L.
    Biochemie.
    Spektrum Akademischer Verlag; 2003; 5. Auflage
  2. Cenacchi T., Bertoldin T., Farina C., Fiori M.G., Crepaldi G. (1993)
    Cognitive decline in the elderly: A double-blind, placebo-controlled multicenter study on efficacy of phosphatidylserine administration.
    Aging Clin Exp Res 5: 123-133
  3. Fahey T.D., Pearl M.
    Hormonal effects of phosphatidylserine during 2 weeks of intense training.
    Abstract submitted to national meeting of the American College of Sports
    Medicine; June 1998
  4. Hahn A.
    Nahrungsergänzungsmittel. 214-218
    Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2001
  5. Henrichs D.
    Handbuch Nähr- und Vitalstoffe, Orthomolekulare Ernährung.
    Constantia-Verlag; 4.überarbeitete Auflage
  6. Kidd P. (1996)
    Phosphatidylserine: A remarkable brain cell nutrient.
    Lucas Meyer Inc., Decatur, Illinois, USA
  7. Monteleone P. et al.
    Effects of phosphatidylserine on the neuroendocrine response to physical stress in humans.
    Neuro 1990
  8. Monteleone P., Maj M., Beinat L., Natale M., Kemali D. (1992)
    Blunting by chronic phosphatidylserine administration of the stress-induced activation of the hypothalamo-pituitary-adrenal axis in healthy men.
    Eur J Clin Pharmacol 41: 385-388
  9. Palmieri G. et al. (1987)
    Double-blind controlled trial of phosphatidylserine in subjects with senile mental deterioration.
    Clin Trials J 24: 73-83
  10. Rehner G., Daniel H.
    Biochemie der Ernährung. 7-14
    Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg/Berlin; 2002; 2. überarbeitete und erweiterte Auflage


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