Antioxidantien - Wie funktionieren die eigentlich?

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  • Zuletzt aktualisiert: Samstag, 28. Juli 2012 15:47
  • Veröffentlicht: Montag, 15. Dezember 2008 12:04
  • Geschrieben von Lisa Oberländer
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Freie Radikale, oxidativer Stress, gefährliche Stoffwechselprodukte, Sauerstoffradikale, Antioxidantien, Zellschutz…

Diese Begriffe tauchen vermehrt überall dort auf, wo es um Gesundheit geht. Ist das ein Trend der Zeit oder vielleicht doch ein Schlüssel zu viel Gesundheit? Lesen Sie jetzt, was in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers tagtäglich passiert und warum Antioxidantien dabei eine tragende Rolle spielen.
Wissen Sie, warum die Schnittflächen eines Apfels schnell braun werden, wenn Sie ihn in zwei Hälften schneiden? Unter der Einwirkung von Sauerstoff aus der Luft kommt es zur Oxidation. Und wissen Sie, was passiert, wenn Sie eine der Schnittflächen mit Zitronensaft beträufeln? Diese Hälfte bleibt hell. Das in vielen Zitrusfrüchten enthaltene Vitamin C verhindert die Oxidation. Ähnlich kann man sich die Situation in jeder der ca. 70 Billionen Körperzellen vorstellen. Verantwortlich dafür sind besonders reaktionsfreudige Verbindungen, die in jeder Zelle zu finden sind. Diese werden als Freie Radikale bezeichnet. Sie verbinden sich am liebsten mit allem, was nicht niet- und nagelfest ist und können dadurch vor allem die empfindlichen Zellwände schädigen. Freie Radikale sind Atome oder chemische Verbindungen, in denen ein Elektron fehlt. Weil Elektronen aber immer bestrebt sind, als Paar um einen Atomkern zu kreisen, „stehlen“ freie Radikale das fehlende Elektron bei allem, was ihnen in den Weg kommt. Betroffen sind lebenswichtige Enzyme, aber auch Zucker, Fette aus der Zellwand oder schlimmstenfalls sogar die Erbsubstanz im Zellkern.

Die Freien Radikale werden in den Zellen als Nebenprodukte des ganz normalen Stoffwechsels gebildet. Hauptentstehungsort sind die Mitochondrien, die Brennkammern der Zellen. Genau so wie jeder Verbrennungsvorgang, den wir aus dem Alltag kennen (z.B. im Motor Ihres Autos), Rückstände verursacht, entstehen bei allen zellulären Stoffwechselreaktionen Freie Radikale. Mit jedem Atemzug, kommen neue hinzu.

Was sie anrichten, sieht man morgens im Spiegel, denn freie Radikale fördern den Alterungsprozess. Sie attackieren schützende Zellmembranen sowie lebensnotwendige Proteine und schädigen das Erbgut, indem sie Bindungen zwischen den Basen zerschneiden. Im Laufe des Lebens summieren sich diese Veränderungen und können Krankheiten verursachen. Jedes Gewebe und jedes Organ des Körpers können betroffen sein.
Freie Radikale sind jedoch nicht nur schädliche Stoffwechselprodukte. Sie dienen auch der Immunabwehr, denn die Abwehrpolizei des Körpers (Leukozyten und Makrophagen) macht sich ihre bakterizide Wirkung zunutze: Sie produziert freie Radikale und zerstört damit Bakterien und andere Fremdstoffe.

Gesunde Gewebe können sich leicht gegen den zerstörerischen Einfluss der Radikale wehren. Antioxidantien wie beispielsweise Vitamin C oder E gehen ihnen dabei zur Hand. Sie helfen oxidative Kettenreaktionen zu unterbrechen, indem sie Elektronen abgeben, ohne selbst in reaktionsfähige Moleküle umgewandelt zu werden.

Antioxidantien nehmen wir gewöhnlich mit der Nahrung auf. Viele Menschen haben jedoch einen erhöhten Bedarf, der durch die Ernährung allein nicht gedeckt werden kann. Raucher beispielsweise brauchen zwei bis dreimal so viel Vitamin C, um die gleiche Anzahl an Antioxidantien im Blut zu erreichen wie Nichtraucher. Eine Zigarette enthält rund 1000.000.000.000.000 (!!!) Freie Radikale. Auch Passivraucher bekommen diesen Schadstoff-Smog ab. Kinder von Rauchern haben deswegen häufiger Asthma und Allergien.

Weitere Faktoren, welche die Menge der Freien Radikale erhöhen können, sind Luftverschmutzung, chronische Krankheiten, passives Rauchen, krebserregende Substanzen in der Nahrung (z. B. bei hohen Temperaturen gebratene oder auf Holzkohle gegrillte Speisen, Nitrite, geräuchertes oder gepökeltes Fleisch), erblich bedingte Veranlagungen für bestimmte Krankheiten, Infektionen, körperliche Überanstrengung, die Wechseljahre, psychischer Stress, Sonnenbestrahlung und Röntgenstrahlen.

Freie Radikale machen krank und lassen Körperzellen schneller altern. Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schäden an der Linse und der Netzhaut des Auges und teilweise auch degenerative Nervenerkrankungen wie Alzheimer und Parkinson bezeichnet man heute als Freie-Radikale-Erkrankungen. Rheuma, Allergien und Asthma werden durch freie Radikale verschlimmert.