Was Sie über Calcium wissen sollten

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  • Zuletzt aktualisiert: Samstag, 28. Juli 2012 15:47
  • Veröffentlicht: Freitag, 27. Januar 2012 10:44
  • Geschrieben von Lisa Oberländer
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In unserm Körper ist ungefähr ein kg Calcium enthalten. 99% liegen im Skelett gebunden vor. Nur 0,5% befinden sich als Calcium-Ionen im Blutserum, die restlichen 0,5% sind an Eiweiß gebunden.

Calcium ist notwendig für den Aufbau von Knochen, Zähnen und Gaumen und verhindert die Einlagerung von Blei. Es hilft bei der Regulation des Herzrhythmus, beim Transport der Nervenimpulse, senkt den Cholesterinspiegel, beugt Darmkrebs und Herzkreislauferkrankungen vor, sorgt für die Durchlässigkeit von Zellmembranen, ist Teil fettverdauender Enzyme und der Struktur von DNA und RNA. Calcium ist außerdem an der Insulinausschüttung aus den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse beteiligt. Bei der Aktivierung des Blutgerinnungssystems bildet es Komplexe mit Phospholipiden und Gerinnungsfaktoren. Durch die Bindung mit Phospholipiden stabilisiert es die Zellmembran.

Die Knochen bestehen zum großen Teil aus Calciumphosphaten, die wesentlich zur Stabilität des Skeletts beitragen. In der organischen Knochenmatrix befinden sich neben Collagen mehrere Proteine, unter ihnen auch Calcium bindende Proteine, die an der Knochenentwicklung beteiligt sind. Calcium ist als Haupternährer der Knochensubstanz wichtig zur Vorbeugung von Osteoporose. Studien belegen, dass bei Erwachsenen die Calciumgabe eine vorbeugende Wirkung gegen Knochenbrüche und eine günstige Wirkung auf die Knochendichte hat, obwohl im Erwachsenenalter die Knochenmasse selbst nicht mehr erhöht werden kann.


Wie in einer klinischen Studie an Frauen nach den Wechseljahren nachgewiesen wurde, konnte durch die tägliche Einnahme von 1000mg Calcium die Aktivität knochenabbauender Zellen vermindert werden. Die Kombination von 500mg Calcium morgens und 1000mg Calcium abends beeinflusst die Knochenmasse über den gesamten Tagesverlauf positiv. Knochenbrüche können allerdings kaum durch eine isolierte Calciumgabe verhindert werden, hierzu wird eine gleichzeitige Aufnahme von Vitamin D (Einbauhelfer) empfohlen.

Eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D vermindert das Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken, berichtete die Ärztezeitung bereits 2005. Das geht aus Auswertungen der Nurses Health Study hervor. Die an der Studie teilnehmenden Krankenschwestern hatten alle zwei Jahre einen detaillierten Fragebogen zur Ernährung beantworten müssen. Bei Frauen mit einer täglichen Zufuhr von mehr als 1200mg Calcium und mehr als 800 Einheiten Vitamin D war das Diabetesrisiko um 33 Prozent niedriger als bei unterdurchschnittlicher Aufnahme.

Calcium scheint auch ein heißer Tipp im Kampf gegen überschüssige Pfunde zu sein. Verschiedene Studien weisen auf die Bedeutung des Calciums bei der Regulation des Körpergewichts hin. In mehrere Studien war ein höherer Verzehr von calciumhaltigen Produkten mit geringerem Körpergewicht, Gewichtsabnahme oder einem niedrigeren Körperfettanteil assoziiert. Calcium bindet Fett im Darm und kann somit die Fettaufnahme verringern, so dass dieses unverdaut ausgeschieden wird.
Andere Studien zeigen, dass eine hohe Calciumaufnahme im Rahmen einer kalorienreduzierten Diät zu einer höheren Gewichtsabnahme führt als bei einer Diät mit einem niedrigen Calciumgehalt. Weiterhin ist wissenschaftlich belegt, dass eine Unterversorgung mit Calcium zu einer Stimulation der Fettsynthese führt, was die Entstehung von Übergewicht fördert. Außerdem wird diskutiert, dass Calcium bei der Appetitregulation eine Rolle spielt.

Einer Studie zufolge war eine ergänzende Einnahme von 2x täglich 500mg Calcium über 6 Monate in der Lage, Entzündungs-Erscheinungen im Mundbereich zu lindern und locker sitzende Zähne zu festigen. Erwachsene, die täglich ausreichend Calcium zu sich nehmen, stärken damit ihr Zahnfleisch und wirken dem Zahnfleischschwund entgegen. Das fanden amerikanische Forscher anhand einer Studie mit 14000 Männern und Frauen heraus. Der Studie zufolge hatten Patienten, die weniger als 500 Milligramm Calcium zu sich nahmen, ein doppelt so hohes Risiko an Parodontose zu erkranken.

Es gibt Hinweise, dass eine Osteoporose auch mit Kieferknochenverlust einhergeht. So findet man unter Osteoporose-Patienten einen größeren Prozentsatz mit Zahnlosigkeit. Eine Calcium-Ergänzung ist dann vermutlich in der Lage, die Geschwindigkeit eines Kieferknochenschwundes zu verringern, wenn es zusammen mit Vitamin D verabreicht wird.

Calcium kann im Körper den Abfall des PH-Wertes reduzieren und somit die Demineralisierung der Zähne verhindern bzw. deren Remineralisierung fördern.

Eine Ernährung mit viel Calcium plus Vitamin D senkt das Risiko für das prämenstruelle Syndrom (PMS) um 50 Prozent. Das schließen amerikanische Forscher aus der Auswertung einer Studie mit knapp 3000 Frauen, bei denen sie den Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und PMS untersucht hatten.

Eine Auswertung von 10 epidemiologischen Studien mit über 500000 Teilnehmern zeigte, dass eine hohe Calciumaufnahme das Risiko für Dickdarmkrebs verringert. Dickdarmkrebs wird offenbar durch eine hohe Fettaufnahme gefördert, weil dabei die Konzentrationen an freien Fettsäure-Ionen und Gallensäure steigen. Calcium bildet mit den Fettsäuren unlösliche Verbindungen und kann somit die reizenden und giftigen Wirkungen dieser freien Säuren verringern.
Wie im Reagenzglas mit Dickdarmkrebszellen festgestellt wurde, wird außerhalb der Zellen lokalisiertes Calcium für die normale Wechselwirkung zwischen den Zellen benötigt. Die direkte Wirkung von Calcium auf Dickdarmzellen kann zum Schutz vor Dickdarmkrebs beitragen.

Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass Calcium Rückfälle von gutartigen Geschwüren im Darm verringern kann. Dazu wurden mehrere klinische Studien mit insgesamt 1400 Patienten ausgewertet: Diese erhielten nach der Entfernung der Geschwüre entweder Calcium oder ein Placebo. Das Wiederauftreten nach drei bis vier Jahren war bei den Patienten der Calciumgruppe signifikant verringert.

Wie in einer epidemiologischen US-Studie festgestellt wurde, senkt die Calciumeinnahme ab der mittleren Schwangerschaftsperiode den Blutdruck der Säuglinge. Damit könnte in der nächsten Generation das Auftreten von Bluthochdruck vermieden werden. In dieser Studie wurde bei 936 sechsmonatigen Säuglingen der Blutdruck gemessen, deren Mütter einen Fragebogen über ihre Ernährungsweise ausgefüllt hatten.

Bei der Befruchtung der menschlichen Eizelle ist Calcium gewissermaßen das Navigationssystem für die Samenzelle. Das weibliche Sexualhormon Progesteron öffnet nach Erkenntnissen der Wissenschaftler einen Ionenkanal in der Zellhülle der Spermien, durch den Calcium in die Zelle strömt. Calcium wiederum verstärkt die Aktivität der Spermien. Sie zünden sozusagen den Turbo, erhöhen die Schlagzahl ihres Schwanzes und steuern so in Richtung der Eizelle.